Die Rolle von medizinischem Cannabis in der Krebsversorgung hat nach einer Umfrage in Israel Aufmerksamkeit erregt. In dieser Querschnittsstudie wurden Patienten mit schwer behandelbaren Krebsschmerzen gefragt, wie sich medizinisches Cannabis auf ihre Symptome und auf ihre Fähigkeit auswirkte, mit ihrer Erkrankung umzugehen. Damit ergänzt sie die Diskussion über die Schmerzbehandlung um von Patienten selbst berichtete Daten.
Die israelische Umfrage: Was die Patienten berichteten
Die in der Fachzeitschrift BMJ Supportive & Palliative Care veröffentlichte Studie umfasste 252 konsekutive Patienten mit therapierefraktären krebsbedingten Schmerzen in einer spezialisierten klinischen Einrichtung, die Fragebögen zur Selbstauskunft ausfüllten; 126 von ihnen wurden mit medizinischem Cannabis behandelt. Da die Studie die eigenen Angaben der Patienten zu einem einzigen Zeitpunkt erfasste, beschreibt sie deren Erfahrungen, statt zu zeigen, dass Cannabis eine Verbesserung bewirkt hat.
Wichtigste Ergebnisse der Umfrage
- Etwa 70 % der Patienten, die medizinisches Cannabis verwendeten, berichteten über eine gewisse subjektive Verbesserung, und fast 40 % berichteten über eine deutliche Verbesserung im Umgang mit ihrer Erkrankung
- Der Opioidgebrauch gehörte nicht zu den im Abstract der Studie berichteten Ergebnissen; andere Beobachtungsstudien haben sich mit dieser Frage befasst
- Die Nebenwirkungen waren im Allgemeinen leicht, am häufigsten traten Müdigkeit und Schwindel auf, und kein Patient benötigte deswegen eine gesonderte medizinische Versorgung
Medizinisches Cannabis: mehr als Schmerzbehandlung
Die Umfrage betrachtete nicht nur Schmerzen: Die Patienten hatten mit medizinischem Cannabis vor allem zur Schmerzlinderung sowie wegen Schlafproblemen und Appetitlosigkeit begonnen. Gleichzeitig hatten 65 % der Patienten, die es nicht verwendeten, medizinisches Cannabis bereits ausprobiert und wieder abgesetzt, hauptsächlich weil es nicht geholfen hatte oder wegen Nebenwirkungen.
Auswirkungen auf den Opioidgebrauch
Im Abstract der israelischen Studie werden keine Veränderungen beim Opioidgebrauch berichtet. Eine separate retrospektive Analyse von 184 Palliativpatienten, die für das Programm für medizinisches Cannabis in New York zertifiziert waren, erschien 2022 in der Fachzeitschrift Cureus. Sie ergab, dass von den Patienten, die medizinisches Cannabis verwendeten, 44,95 % weniger Opioide nutzten. Beobachtungsergebnisse wie diese deuten auf einen möglichen Zusammenhang hin, können aber nicht zeigen, dass Cannabis den Rückgang verursacht hat.
Das therapeutische Potenzial von Cannabis bei Krebs erforschen
Die israelische Umfrage ist Teil einer wachsenden, überwiegend auf Beobachtungen beruhenden Forschung, die untersucht, ob Cannabis bei der Bewältigung krebsbedingter Symptome helfen kann, und Forscher haben mehr prospektive Studien gefordert.
Globale Forschungsperspektiven
Die Berichterstattung über die israelische Umfrage verwies auch auf andere Studien, in denen Patienten über Verbesserungen bei Schmerzen, Schlaf und Opioidgebrauch berichteten, und eine Registerstudie aus New York berichtete über Verbesserungen bei Schmerzen und anderen Symptomen bei wenigen unerwünschten Wirkungen.
Diese Umfrage trägt zum Verständnis bei, wie Patienten mit schwer behandelbaren Krebsschmerzen medizinisches Cannabis erleben. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass manche Patienten Cannabis bei der Bewältigung krebsbedingter Symptome als hilfreich empfinden. Da die Daten jedoch auf Selbstauskünften beruhen und zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben wurden, sind kontrollierte Studien nötig, bevor sich Schlussfolgerungen über seinen Stellenwert in der Krebsversorgung ziehen lassen.