CBD (Cannabidiol) und CBG (Cannabigerol) sind beides nicht berauschende Cannabinoide aus der Hanfpflanze, sie unterscheiden sich aber darin, woher sie stammen, wie viel die Pflanze davon bildet und wie gut sie erforscht sind. CBG entsteht zuerst: Seine Säureform CBGA ist die Vorstufe, die die Pflanze in die Säureformen von CBD, THC und CBC umwandelt. Die meisten Hanfsorten enthalten weit mehr CBD als CBG, einige Sorten werden jedoch gezielt auf einen hohen CBG-Gehalt gezüchtet. CBD wurde in deutlich mehr Studien am Menschen untersucht als CBG.
Das Wichtigste in Kürze
- Herkunft
- CBGA ist die Vorstufe von CBDA, THCA und CBCA; CBD entsteht aus CBDA, CBG aus CBGA
- Menge im Hanf
- CBD ist meist das Hauptcannabinoid; CBG macht in der Regel nur einen kleinen Anteil aus, außer in CBG-reichen Sorten
- Berauschend?
- Keines von beiden; das berauschende Cannabinoid in Cannabis ist THC
- Rezeptoren
- Laborstudien zeigen unterschiedliche Profile: CBG wirkt am α2-Adrenozeptor und an 5-HT1A, CBD moduliert den CB1-Rezeptor
- Forschung am Menschen
- CBD: viele klinische Studien und ein zugelassenes Arzneimittel; CBG: einige wenige kleine Studien
- Status in der EU
- Beide sind in CosIng als kosmetische Inhaltsstoffe gelistet; beide gelten als neuartige Lebensmittel (Novel Food)
Woher CBD und CBG stammen
Hanf bildet Cannabinoide in ihrer Säureform. Die erste ist die Cannabigerolsäure (CBGA). Enzyme in der Pflanze wandeln CBGA anschließend in Tetrahydrocannabinolsäure (THCA), Cannabidiolsäure (CBDA) und Cannabichromensäure (CBCA) um. Eine Übersichtsarbeit in The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics beschreibt CBG als „das Vorläufermolekül der am häufigsten vorkommenden Phytocannabinoide“ (Nachnani et al., 2021).
Wird das Pflanzenmaterial erhitzt, verlieren die Säuren eine Carboxylgruppe und gehen in die neutrale Form über: Aus CBDA wird CBD und aus CBGA wird CBG. Unser Ratgeber zu CBDA erklärt diesen Schritt.
Wie viel von beiden steckt im Hanf?
Da der größte Teil der CBGA während des Pflanzenwachstums in andere Cannabinoidsäuren umgewandelt wird, enthält reifer Hanf meist deutlich mehr CBD als CBG. Eine Übersichtsarbeit beziffert den Anteil von CBG an der Cannabinoidfraktion typischer Pflanzen auf bis zu etwa 10 %. Züchter haben Sorten mit einer anderen genetischen Ausstattung (dem B0-Genotyp) entwickelt, in denen deutlich weniger CBGA umgewandelt wird, sodass CBG zum Hauptcannabinoid wird (Jastrząb et al., 2022; Zagožen et al., 2021). Eine CBG-dominante Hanfsorte enthielt 7,8 % bis 11,2 % Gesamt-CBG (Crawford et al., 2021).
CBD vs. CBG im Überblick
| Merkmal | CBD (Cannabidiol) | CBG (Cannabigerol) |
|---|---|---|
| Säureform in der Pflanze | CBDA | CBGA, die Vorstufe der anderen Cannabinoidsäuren |
| Typische Menge im Hanf | Meist das Hauptcannabinoid | Kleiner Anteil, außer in CBG-reichen Sorten |
| Berauschend | Nein | Nein |
| Rezeptorprofil (Laborstudien) | Negativer allosterischer Modulator des CB1-Rezeptors | Partieller CB2-Agonist; α2-Adrenozeptor-Agonist; blockiert 5-HT1A |
| Forschung am Menschen | Viele klinische Studien; ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel für bestimmte seltene Epilepsieformen | Einige wenige kleine Studien |
| EU-Kosmetik (CosIng) | Gelistet, sowohl synthetisch als auch aus Cannabisextrakt gewonnen | Gelistet als Cannabigerol (hautpflegend) |
| EU-Lebensmittelrecht | Neuartiges Lebensmittel (Novel Food), noch nicht zugelassen | Neuartiges Lebensmittel (Novel Food), noch nicht zugelassen |
Wie sie im Körper wirken: Was Laborstudien zeigen
Das meiste, was über die Pharmakologie der beiden Stoffe bekannt ist, stammt aus Zell- und Tierstudien, die nicht zeigen, was beim Menschen geschieht.
- CBG wird als nicht psychotrop und als partieller Agonist des CB2-Rezeptors beschrieben; seine Wirkung am CB1-Rezeptor ist messbar, aber nicht gut verstanden (Navarro et al., 2018). In Hirngewebe von Mäusen wirkte CBG als potenter α2-Adrenozeptor-Agonist und blockierte CB1- und 5-HT1A-Rezeptoren (Cascio et al., 2010).
- CBD verhielt sich in Zellmodellen als nicht kompetitiver negativer allosterischer Modulator des CB1-Rezeptors (Laprairie et al., 2015). Vereinfacht gesagt verändert es, wie der Rezeptor auf andere Stoffe reagiert, statt ihn selbst zu aktivieren.
Eine Übersichtsarbeit fasste zusammen, dass CBG an den Rezeptoren „Affinitäts- und Aktivitätsmerkmale zwischen Δ9-THC und CBD“ aufweist und „in seinen Wechselwirkungen mit α-2-Adrenozeptoren und 5-HT1A einzigartig“ ist (Nachnani et al., 2021). Hintergrundwissen zu den Rezeptoren finden Sie in unserem Ratgeber zum Endocannabinoid-System.
Forschung am Menschen
CBD wurde in vielen kontrollierten klinischen Studien untersucht, und ein gereinigtes CBD-Arzneimittel ist für bestimmte seltene Epilepsieformen zugelassen. Der WHO-Sachverständigenausschuss für Drogenabhängigkeit kam zu dem Schluss, dass CBD kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial hat; siehe unseren Ratgeber Macht CBD abhängig?
Zu CBG gibt es weit weniger Studien am Menschen. In einer placebokontrollierten Crossover-Studie aus dem Jahr 2024 nahmen 34 gesunde Erwachsene eine Einzeldosis von 20 mg aus Hanf gewonnenem CBG ein; die Forschenden fanden „keine Hinweise auf subjektive Substanzwirkungen oder Beeinträchtigungen“ (Cuttler et al., 2024). Es handelte sich um eine kleine Studie mit einer Einzeldosis, und ein Autor hat geschäftliche Verbindungen zu CBG. Bei Hunden berichtete eine Studie von 2022 mit einem CBG-reichen Hanfextrakt in einer kurzen zweiwöchigen Untersuchung keine unerwünschten Ereignisse (Amstutz et al., 2022).
Rechtlicher Status in der EU
Weder CBD noch CBG ist in den UN-Suchtstoffübereinkommen gelistet. In der EU-Datenbank für kosmetische Inhaltsstoffe (CosIng) ist Cannabigerol mit der Funktion „hautpflegend“ (skin conditioning) gelistet, und für Cannabidiol gibt es getrennte Einträge für synthetisches CBD und aus Cannabisextrakt gewonnenes CBD. CosIng ist ein Nachschlageverzeichnis, kein Gesetz. Für Lebensmittel stuft der Novel-Food-Katalog der EU Hanfextrakte mit nicht psychoaktiven Cannabinoiden, einschließlich CBG, als neuartige Lebensmittel ein, die vor dem Verkauf eine Zulassung benötigen. Die nationalen Regeln unterscheiden sich; siehe unsere Ratgeber zur CBD-Rechtslage in Deutschland und Frankreich.
Aus unserer Produktion
Unser Hanfextrakt wird durch CO₂-Extraktion gewonnen, und wir formulieren, füllen ab und etikettieren unsere Öle selbst in Küssnacht am Rigi in der Schweiz. Zwei unserer THC-freien Öle kombinieren CBD mit zugesetztem CBG: Lugano Clarity (7 % CBG) und Lucerne Calm (3 % CBG). Jede Produktionscharge wird getestet, und das Zertifikat zeigt die in dieser Charge gemessenen Cannabinoide.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen CBD und CBG?
Beides sind nicht berauschende Cannabinoide aus Hanf. CBG entsteht aus CBGA, der Vorstufe der anderen Cannabinoidsäuren, und ist meist in deutlich geringeren Mengen vorhanden als CBD. In Laborstudien wirken sie zudem unterschiedlich an Rezeptoren, und CBD wurde am Menschen weit umfangreicher erforscht.
Ist CBG die „Mutter aller Cannabinoide“?
Der Spitzname bezieht sich auf seine Säureform CBGA, die die Pflanze in die Säureformen von THC, CBD und CBC umwandelt. CBG selbst ist die neutrale Form von CBGA.
Macht CBG high?
Nein. CBG wird als nicht psychotrop beschrieben, und eine Studie von 2024 mit 20 mg CBG fand keine Hinweise auf subjektive Substanzwirkungen oder Beeinträchtigungen.
Warum enthält Hanf weniger CBG als CBD?
Während die Pflanze wächst, wird der größte Teil der CBGA in andere Cannabinoidsäuren wie CBDA umgewandelt. Nur Sorten, die so gezüchtet wurden, dass sie weniger CBGA umwandeln, sind reich an CBG.
Ist CBG in der EU legal?
CBG ist nicht in den UN-Suchtstoffübereinkommen gelistet, und Cannabigerol ist in der EU-Datenbank CosIng als kosmetischer Inhaltsstoff gelistet. Als Lebensmittelzutat gilt es als neuartiges Lebensmittel (Novel Food), das nicht zugelassen ist. Nationale Regeln für Hanfprodukte gelten weiterhin.
Können CBD und CBG im selben Produkt enthalten sein?
Ja. Vollspektrum- und Breitspektrum-Hanfextrakte können neben CBD auch CBG enthalten. Das Analysezertifikat zeigt, welche Cannabinoide in einer Charge gemessen wurden und wie viel von jedem.
Verwandte Ratgeber
Dieser Artikel fasst veröffentlichte Forschungsergebnisse zusammen. Er stellt keine medizinische Beratung dar. CBD-Öle von Formula Swiss werden als Kosmetika zur Anwendung auf der Haut verkauft. Sie sind weder Nahrungsergänzungsmittel noch Arzneimittel und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Zuletzt überprüft:
Quellen
- Nachnani R, Raup-Konsavage WM, Vrana KE. The pharmacological case for cannabigerol. J Pharmacol Exp Ther. 2021;376(2):204-212. doi:10.1124/jpet.120.000340
- Jastrząb A, Jarocka-Karpowicz I, Skrzydlewska E. The origin and biomedical relevance of cannabigerol. Int J Mol Sci. 2022;23(14):7929. doi:10.3390/ijms23147929
- Zagožen M, Čerenak A, Kreft S. Cannabigerol and cannabichromene in Cannabis sativa L. Acta Pharm. 2021;71:355-364. doi:10.2478/acph-2021-0021
- Crawford S, Rojas BM, Crawford E, et al. Characteristics of the diploid, triploid, and tetraploid versions of a cannabigerol-dominant F1 hybrid industrial hemp cultivar, Cannabis sativa 'Stem Cell CBG'. Genes (Basel). 2021;12:923. doi:10.3390/genes12060923
- Navarro G, Varani K, Reyes-Resina I, et al. Cannabigerol action at cannabinoid CB1 and CB2 receptors and at CB1-CB2 heteroreceptor complexes. Front Pharmacol. 2018;9:632. doi:10.3389/fphar.2018.00632
- Cascio MG, Gauson LA, Stevenson LA, Ross RA, Pertwee RG. Evidence that the plant cannabinoid cannabigerol is a highly potent α2-adrenoceptor agonist and moderately potent 5HT1A receptor antagonist. Br J Pharmacol. 2010;159(1):129-141. doi:10.1111/j.1476-5381.2009.00515.x
- Laprairie RB, Bagher AM, Kelly MEM, Denovan-Wright EM. Cannabidiol is a negative allosteric modulator of the cannabinoid CB1 receptor. Br J Pharmacol. 2015;172(20):4790-4805. doi:10.1111/bph.13250
- Cuttler C, Stueber A, Cooper ZD, Russo E. Acute effects of cannabigerol on anxiety, stress, and mood: a double-blind, placebo-controlled, crossover, field trial. Sci Rep. 2024;14:16163. doi:10.1038/s41598-024-66879-0
- Amstutz K, Schwark WS, Zakharov A, et al. Single dose and chronic oral administration of cannabigerol and cannabigerolic acid-rich hemp extract in fed and fasted dogs. J Vet Pharmacol Ther. 2022;45(3):245-254. doi:10.1111/jvp.13048
- Europäische Kommission. CosIng cosmetic ingredient database: Cannabigerol; Cannabidiol.
- Europäische Kommission. EU Novel Food Catalogue: Cannabinoide.